~~~|| Stramm: Das lyrische Werk || LiberLey Index ||~~~


AUGUST STRAMM: Der Morgen

geb. 1874 in Münster
gest. 1915 bei Horodec (Rußland)

Der Morgen

Schwarz
Graut
Zerknittert schämig fahlig.
Schweigen schleicht zu Bette!
Schrecke lugen
Horchen
Ziepsen
Ducken
Ziepsen spürig
Schrillen trotzig
Rufen rufen
Wachen auf
Von Ast zu Ast.
In die Winkel glupschen Lüfte
Talpschen Dünste.
Klatschen Flattern Knacken Schwirren
Zerrt ins Fahle bleiche Fetzen!
Blaublaß glasen Ströme zu Kristall!
Klirrig
Grellt der Himmel auf!
Funken brennen
Splitter glühen!
Schauernd
Wirbeln Tropfen Spiegel!
Lichtgeblendet schwingt herauf
Die Helle!

 

Quelle: August Stramm: Das Werk. Hg. von René Radrizzani. Wiesbaden 1963


© Helmut Schulze, 2002