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HEINRICH MÜHLPFORT

1639-1681

Sechstinne.

Wettstreit der haare / augen / wangen /
lippen / halß und brüste.

Haare.
WEr sagt / daß unser ruhm nicht göldne fessel schencket /
Wenn sie ein linder west um beyde brüste schwencket /
Entkerckert / frey und loß? hier wird ein geist umschräncket
Mit steter dienstbarkeit / der vor sich weggelencket
Von band und ketten hat. Ein ewig nectar träncket
Der haare liebes-reitz / der nur auff lust gedencket.

Augen.
WO unser flammen quell nicht heisse strahlen schencket /
Und den entbrandten blitz in hertz und seele schwencket /
So wird kein sterblich mensch mit huld und gunst umschräncket /
Hat unser leitstern nicht der liebe glut gelencket /
So wird sie gantz und gar in thränen-fluth erträncket;
Wer ist der jehmahls liebt / und unser nicht gedencket?

Wangen.
UNs hat Cupido glut / die rose blut geschencket /
Die lilje schnee / der sich um beyde zirckel schwencket /
Hier stehet helffenbein mit purpur rings umschräncket /
Und manch verliebter mund steht bloß auff uns gelencket /
Wen nicht die liljen-milch und rosen-öle träncket /
Der ist ein marmelstein / der nie an lust gedencket.

Lippen.
DEn köcher voller pfeil hat Venus uns geschencket /
Und ist es wunders werth / daß unsre glut sich schwencket
Biß an das sternen-dach? Hier liegt ein brand versencket /
Der ewig zunder gibt / der mit rubin umschräncket /
Die feuchte süssigkeit / wenn mund am munde hencket /
Und die vergnügte seel mit zimmet-säfften träncket.

Halß.
SEht meine perlen an / die Venus selbst geträncket
Jn ihrem liebes-schoß: Seht was sie mir geschencket /
Als um der mutter halß Cupido sich geschwencket /
Und seine süsse pein ins helffenbein versencket /
Hier lieget schnee und glut im gleichen kreyß geschwencket /
Jch bin der thurm / an dem der liebe rüstzeug hencket.

Brüste.
DJß schwesterliche paar / das voll von flammen hencket /
Von aussen vieler hertz mit liebes-öle träncket /
Jnwendig aber feur als wie ein Aetna schencket /
Da doch das schnee-gebürg sich von dem athem schwencket /
Und wieder von dem west der seuffzer niedersencket /
Hält alle lust und lieb in seinem platz verschräncket.

Nachklang der Sechstinne.
DEr haare schönes gold / der augen lichter brand /
Der wangen paradieß / der lippen himmel-wein /
Hat mit des halses zier / ohn allen zwang / bekannt /
Daß auff den brüsten soll der liebe ruhstatt seyn.

Quelle: Marian Szyrocki: (Hrsg.): Lyrik des Barock. Bd. I. Reinbek 1971.


© Helmut Schulze, 2006