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DANIEL GEORG MORHOF

1639-1691

Er klaget wegen der bösen Kriegszeit / und bittet umb des Krieges Abwendung.

Ach / wo will die Welt hinaus!
Dieses schnöde Buben-Haus /
    Das dem Laster Leben
    Auff den Grund ergeben!
        Sieht man doch
        Jmmer noch /
    Sich mit starcken Zügen
    Alle Welt bekriegen.

Jst denn aus der Höllen Schooß /
Alle Schaar der Teuffel loß /
    Die bey uns auff Erden
    Wollen Bürger werden?
        Sieht man doch /
        Daß annoch
    Sind mit Krieg und Streiten
    Eine Pest der Zeiten.

Jst ein Winckel in der Welt /
Den man frey von Kriegen hält?
    Schlagen nicht die Flammen
    Uberall zusammen?
        Menschen / Vieh
        Fressen sie /
    Was sie nicht berücken /
    Muß von Rauch’ ersticken.

Alles liegt bey Krieges-Zeit /
Kunst / Zucht / Recht und Redligkeit /
    Alle gute Sitten /
    Werden überschritten /
        Raub und Brand /
        Stürtzt das Land /
    Edle / Bauren / Bürger /
    Laster / Seuchen / Würger.

Kein Gesetze wird erhört /
Alles Gute wird verkehrt /
    Hier seyn lauter Hencker /
    Leib- und Seelen-Kräncker /
        Denen Gott
        Selbst ein Spott /
    Leben / Haus und Stelle
    Wird uns hier zur Hölle.

Komm / o Friedens-Geist / herein /
Tilge mit des Jahres-Schein’ /
    Allen Höllen-Nebel /
    Brich den Mörder-Sebel /
        Gott steh’ auff /
        Daß dein Hauff’
    Hier nicht gantz erliege /
    So greiff du zum Kriege!

Quelle: Marian Szyrocki: (Hrsg.): Lyrik des Barock. Bd. I. Reinbek 1971.


© Helmut Schulze, 2006