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GIAMBATTISTA MARINO

geb. 1569 in Neapel
gest. 1625 ebd.

Ecce homo
des Raffael von Urbino

Läßt dieses Bild den Gottessohn erschauen?
Weh, Himmelsherr! sind dies die holden Wangen,
Den Engeln teuer, davon Glut empfangen
Die Rose, Milch die Lilie der Auen?

Sind dies die heitern Augen, dies die Brauen,
Daraus zur Sonne Strahl und Feuer drangen,
Das Haar, das Gold zu Sternen ließ gelangen?
O weh, Blut will aus Wunden niedertauen!

Welch rohe Hand beging wohl solche Roheit?
Und welches Mitleid, Beispiel wahrer Hoheit,
Zog reines Linnen um die heil'gen Glieder?

Sei irren Geistes Spiegel immer wieder
Der neue Gott als Gottmensch. Menschenleid
Zwang Gott in Menschenform mit Ähnlichkeit.

Dt. von Edward Jaime

Text nach: Gerd Henninger (Hrsg.): Beispiele manieristischer Lyrik. München 1970

Nur für private Zwecke!


© Helmut Schulze, 2002