~~~|| Marino || Übersetzte Autoren M || LiberLey Index ||~~~


GIAMBATTISTA MARINO

geb. 1569 in Neapel
gest. 1625 ebd.

Auf das eigene Bildnis
von der Hand des Bartolomeo Schidoni

Nimm Eis und Glut, sie seien eines nur
Mit jedem Schrecken brauner Schattenmächte;
Gib auch hinzu des Todes bleiche Prächte,
Sofern du kannst, zur seltsamen Mixtur;

Nimm, was das Dunkel birgt auf schwarzer Spur
An Schmerz und Finsternis, hinein verflechte
Der Liebe Bitternis, das nie gerechte
Glück, das Elend unvollendeter Natur;

Spritz Gift hinein von ausgewählten Schlangen
Und Syrtenschaum, vermische sie und füge
Den Farben bei viel' Seufzer und viel Bangen,

So wird, Schidoni, Wahrheit und nicht Lüge
Mein Bildnis sein. Doch soll es leben,
So darfst du ihm Lebendigkeit nicht geben.

Dt. von Edward Jaime

Text nach: Gerd Henninger (Hrsg.): Beispiele manieristischer Lyrik. München 1970

Nur für private Zwecke!


© Helmut Schulze, 2002