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CASPAR KIRCHNER

1592-1627

Coeli & Foeminae rotunditas.

DEß Himmels blawe Feld befleckt mit keinen Mackeln /
Bestecket hier vnd da mit hellen Sterne Fackeln /
     Beschlossen von sich selbst / bestehend ohne grund /
     Jst allenthalben gantz volkommen kugelrund.
Die Frawen mehrertheils / deß Himmels schöne Kinder /
Befinden an sich die volkommenheit nicht minder /
     Jn dreyen sind sie rund / das erste sind die Brüst /
     Das ander ist das Haupt / der Bauch das dritte ist.
Die erste pflegen in die runde sich zu füegen /
Wenn sie zu harte nicht daheim gefangen liegen /
     Wie die Jungfrawen jetz sehr sehr vnbarmhertzig sein /
     Vnd jhre Kindlein gar zu harte windeln ein.
Dem andern stücke wird die runde nicht benommen
Durch vngehewre bürd / die von vns Männern kommen /
     Das schöne Leibes Schloß schön rund vnd artig steht /
     Vnd seinem Himmel gleich sacht hin vnd wieder geht.
Das drit ist von Natur zur runde nicht erkoren /
Doch hat / wie ich gehört / der Breutigam geschworen /
     Daß nicht ein halbes Jahr soll recht vorüber gehn /
     So soll dasselbe theil gantz kugelrund da stehn.

 

Quelle: Marian Szyrocki: (Hrsg.): Lyrik des Barock. Bd. I. Reinbek 1971.


© Helmut Schulze, 2006