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ERNST CHRISTOPH HOMBURG

1605-1681

Damen ohne Freyer.

KLuge Sinnen / schöne Dahmen /
Wie man euch wil sonst benahmen /
     Kommet / horet / was jhr seyd /
     Klapper-werck / vnd halbe Leut' /

Jhr so nur als Nonnen schlaffet /
Keinen Serviteur euch schaffet /
     Seyd gebethen kompt heran /
     Jetzo wil ich heben an.

Eine Scheide sonder Messer /
Ohne Zapffen lehre Fässer /
     Reinick-fuchß doch sonder Schwantz /
     Eine Kirchmeß ausser Tantz.

Land / so nimmer wird gepflüget /
Geld / das nur im Kasten lieget /
     Kühe / die nur gellen gehn /
     Vhren / so stets stille stehn.

Schöne Geigen sonder Quinten /
Gute Schreiber ohne Dinten /
     Ein gebort Loch sonder Pflock' /
     Ohne Baart ein Ziegenbock.

Eine Kugel sonder Kegel /
Starcke Trescher ohne Flegel /
     Eine Laute sonder Thon /
     Dreßden sonder Garnison.

Eine Wage sonder Schüssel /
Dann ein Maalschloß sonder Schlüssel /
     Eine Wieger ausser Kind /
     Vnd ein Blaßbalg ohne Wind.

Ohne Artzeney ein Krancker /
Grosse Schieffe sonder Ancker /
     Schöne Glocken ausser Klang /
     Nachtigallen ohne Sang.

Eine Stube sonder Ofen /
Sonder Schwein' ein Schweines-Kofen /
     Schöne Fenster sonder Liecht /
     Reich seyn / dem doch Geld gebricht.

Hübsche Gärtten quit von Rosen /
Ohne Färtzer grosse Hosen /
     Kunst / die man nicht wendet an /
     Wein / so man nie trincken kann.

Weitzen Garben sonder Körner /
Schöne Hirsche sonder Hörner /
     Fillis die nur Jungfer ist.
     Kurtzweil-frey zu jeder Frist.

Diese Dinge muß man schmücken /
Hin zur Mess' auff Leiptzig schicken /
     Nicht ob hoher Würdigkeit
     Nur das man sie thut beyseit.

 

Quelle: Marian Szyrocki: (Hrsg.): Lyrik des Barock. Bd. I. Reinbek 1971.


© Helmut Schulze, 2006