~~~|| Hagedorn || Autoren H || LiberLey Index ||~~~


FRIEDRICH VON HAGEDORN

geb. 1708 in Hamburg
gest. 1754 ebd.

Der verliebte Bauer

Rühmt mir des Schulzens Tochter nicht.
Nein! Sagt nur, sie ist reich.
Im ganzen Dorf ist kein Gesicht
Der flinken Hanne gleich.
Das Mensch gefällt, auch ungeputzt,
Ich sag es ohne Scheu:
Trotz mancher, die in Flittern stutzt,
Sie sei auch, wer sie sei.

Wie frei und weiß ist ihre Stirn
Und rot und frisch ihr Mund!
Wie glatt der Haarzopf meiner Dirn
Und ihre Brust wie rund!
Ihr Aug ist schwarz wie reifer Schlee,
Schier komm ich auf den Wahn,
Wann ich ihr lang ins Auge seh,
Sie hat mir's angetan.

Ihr wißt, wie wir im Rosenmond
Die Maien hier gepflanzt,
Da ward der Füße nicht geschont,
Da hat sich's gnug getanzt.
Des Schaffers Tenne knarrte recht,
Wie schäkerten uns satt:
Der Hüfner Heins und Hans, der Knecht,
Und Hartwig aus der Stadt.

Den Vorreihn, Nachbarn, ließ man ihr,
Flugs rief sie mich herbei.
Beim Element! wie flogen wir
Nach Kilians Schalmei.
Wann Hanne nur in Schaukeln schwebt,
Wie mutig steigt ihr Schwung!
Und wann sie sich im Tanzen hebt,
Wie schön ist jeder Sprung!

Allein beim Kehraus glitzschte sie,
Doch ich ergriff sie stracks,
Und dafür sah ich auch ein Knie,
Das war so weiß wie Wachs.
Des Pfarrers Mute schimpft' aus Neid
Und zwackte mich gar an.
Ich sprach: Mensch, laßt mich ungeheyt
Und kneipt den Leiermann.

Mein Liebchen ging mit mir ins Feld,
Ich half ihr übern Zaun.
Da hab ich mich nicht mehr verstellt,
Sie war bei guter Laun.
Wir lagerten uns drauf ins Gras,
Wie Nachbarskinder tun,
Doch ich empfand, ich weiß nicht was,
Das ließ mich gar nicht ruhn.

Gnug, daß sie mich ihr Büfchen hieß,
Mir Hand und Guschel reicht'
Und mir ein saftig Schmätzchen ließ,
Dem auch der Most nicht gleicht.
Ich schmutzelt? Denket, was ihr wollt.
Glaubt, daß sie euch nur neckt
Und daß ihr nicht erfahren sollt,
Was Hannens Mieder deckt.

Die Edelfrau ist zart und fein,
Mein Mensch ist wohl so schön.
Sollt ich nur ihr Leibeigner sein,
Den Dienst wollt ich versehn.
Ihr, die ihr gern was Neues wißt,
Das euch die Ohren kraut,
Hört, was ihr alle wissen müßt:
Sie ist schon meine Braut.

Der Herr Magister merkt schon was,
Bring ich den Decem hin,
So fragt er mich ohn Unterlaß,
Ob ich verplempert bin?
Und wann sie in die Kirche tritt,
So singt er, glaubt es mir,
Noch weniger als sonsten mit
Und schielt und gafft nach ihr.

Die Hochzeit soll auch bald geschehn,
Noch vor der Ernte Zeit.
Da sollt ihr manchen Luftsprung sehn,
Der Leib und Seel erfreut.
Die ganze Dorfschaft komme mir,
Sie soll willkommen sein,
Und ich versprech euch Kirmißbier
Und guten Firnewein.

 

Quelle: Friedrich von Hagedorn: Gedichte. Stuttgart 1968 (RUB 1321-23).


© Helmut Schulze, 2003