~~~|| Gläser || Autoren G || LiberLey Index ||~~~


ENOCH GLÄSER

1628-1668

Entweder treu oder gar nicht.

1.

Jsts ihr Ernst so mags geschehn/
Mir gilts endlich eben viel /
Jhr bald süß bald sauer sehen
Halt ich vor ein Kinder-Spiel /
Dis ist keine liebe nicht
Die so leichtlich fällt und bricht.

2.

     Läst sie sich so bald bewegen
Was ist dis vor eine treu?
Durch solch leichtes Zorn-auflegen /
Gleicht sie sich der dünnen spreu:
Das ist keine liebe nicht
Die so leichtlich fällt und bricht.

3.

     Was ist doch der Schaum der Wellen
Der bald wird und bald vergeht?
Doch muß ich solch Vrtheil fällen
Von der gunst die nicht besteht;
Das ist keine liebe nicht
Die so leichtlich fällt und bricht.

4.

     Euch / ihr Felder / wil ich fragen /
Ob ich ihren leichten Sinn
Nicht höhst billich an kan klagen /
Ja sie selbst die Schäfferin;
Weil dis keine libe nicht
Die so leichtlich fällt und bricht.

5.

     Jst die schöne werth zu lieben
Liebt sie manchen Hirthen auch
Warumb wird sie nicht getrieben /
Daß sie bleibt bey diesem brauch?
Dis ist keine liebe nicht
Die so leichtlich fällt und bricht.

6.

     Bin ich ihr zu schlecht von gaben?
Ey so solte sie auf mich
Niemals gunst geworffen haben /
Die sie nunmehr hält vor sich:
Dis ist keine liebe nicht
Die bald steht und bald zerbricht.

7.

     Was thut jtzt mein Lieder schallen
Daß sie vormals oft gepreist?
Jch muß sehn aus diesem allen
Daß sie fälschlich Ehr erweist.
Jhre lieb ist liebe nicht
Weil sie leichtlich fält und bricht.

8.

     Kan ich diesen tag nur schauen
Der mir recht wird bilden ein
Ob ihr oder nicht zu trauen /
Wil ich leicht zu frieden seyn /
Liebe die so leichtlich bricht
Jst doch keine liebe nicht.

 

Quelle: Marian Szyrocki: (Hrsg.): Lyrik des Barock. Bd. I. Reinbek 1971.


© Helmut Schulze, 2006