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QUINTUS LUTATIUS CATULUS

gest. 87 v.C.

Aufugit mi animus; credo, ut solet, ad Theotimum
    devenit. Sic est, perfugium illud habet.
Quid, si non interdixem, ne illunc fugitivum
    mitteret ad se intro, sed magis eiceret?
Ibimus quaesitum. Verum, ne ipsi teneamur
    formido. Quid ago? Da, Venus, consilium.

Constiteram exorientem Auroram forte salutans,
    cum subito a laeva Roscius exoritur.
Pace mihi liceat, caelestes, dicere vestra:
    mortalis visus pulchrior esse deo.


(Die Liebe zu Theotimus)

Mein Herz ist entflohen. Ich glaub', es ging, wie üblich
zu Theotimus. So ist's, denn der ist seine Zuflucht.
Was wär', hätt' ich ihm nicht gesagt, jenen flüchtigen Sklaven
nicht bei sich aufzunehmen, sondern ihn fortzujagen?
Ich werd' es suchen gehen. Doch bangt mir, daß ich selber
werd' gefangen. Was tun? Gib, Venus, Rat!

Von ungefähr hielt ich ein, Aurora in ihrem Aufgange zu grüßen,
als linkerhand und unversehens Roscius erschien.
Laßt mich, ihr Himmlischen, mit eurer Erlaubnis sagen:
der Sterbliche schien mir schöner als die Gottheit!

(Deutsch von Helmut Schulze nach der italienischen Übersetzung von Dorotea Medici)
Quelle: Dorotea Medici (Hrsg.): Poesia erotica latina. Mailand 1993.


© Helmut Schulze, 2006