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TOMICA BAJSIĆ

geb. 1968

Traum vom Mais

Ich renne durch ein Feld aus Mais, während die Sonne zum Mond wird. Der Himmel ist niedrig und oval, gegen den Boden gedrückt. Licht atmet aus den durchsichtigen, wässrigen Maisblättern. Grün wird zu Gelb.

Mir fällt auf, dass ich klein bin, der Mais ist so viel höher als ich. Das Feld ist endlos. Plötzlich stoße ich auf die Spuren eines Vorbeigehens; dessen, der mich sucht. Ich halte inne. Einen Augenblick lang ist nichts außer mein Atem zu hören. Legte ich das Ohr an den Boden, ich würde das Beben seiner Schritte hören.

Hier sind die Maisgarben durchbrochen in Hass, zertreten. Er rennt blind, hinter ihm bleibt ein Flur, schwer von Leere. Die Geschwindigkeit, mit der er sich bewegt, ist um ein Vielfaches höher als meine; die Spuren seines Durchgangs verraten die Natur eines Dämons.

Ich brauche mehr und mehr Luft. Solange ich konnte, atmete ich durch die Nase. Jetzt atme ich durch den Mund, atme alle zehn Schritte tief ein und aus. Noch ein wenig und es wird alle fünf Schritte sein, dann jeden zweiten?

Es ist wichtig, den Atemrhythmus zu kontrollieren. Das Rennen gibt mir Mut. Und die Art, in der sich der Mais vor mir verneigt, gibt mir Mut. Ich werde ein Stück zurückgehen, um die Spur zu verwischen. Wenn die Nacht fällt, werde ich mich unter dem Mais verkriechen, um Kraft für den Morgen zu schöpfen, fürs Rennen. Meine Angst werde ich in ein fensterloses Zimmer einschließen. Der Hoffnung erlauben, im Dunkel zu brennen, damit sie mir den Traum erhellt.

Auch er wird bei Nacht ruhen, aber nicht schlafen. Die Wut wird ihn wach halten, ihm die Sinne vernebeln. Am Morgen wird der beißende Wind seinen Blick trüben.
Und während das Licht sich verdunkelt fühle ich das Blut in den Venen meines Verfolgers sieden wie ein fernes Flüstern in den Maisfeldern. Vor meinen Augen flimmert die Bedrohung der völligen Vernichtung, die sein Vorbeigehen begleitet; ich muss sein Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass der Unbekannte, der mich verfolgt, derselbe Mensch ist, dessen Schatten durch Wände ging in einer Nacht ohne Sterne, einer Nacht, in der ich allein zurückblieb.

Morgen früh werde ich rennen wie nie zuvor im Leben. Das schwarze Haus ist schon weit hinter mir, müsste es sein. Jetzt habe ich das, was ich nie zuvor hatte, die Freiheit der Wahl. Ich kann nach Osten laufen oder nach Süden oder weiter gen Westen. Solange ich renne ist das Schicksal in meinen Händen. Ich darf nur nicht stehen bleiben.

Aus dem Kroatischen von Tatjana Markulin (© der Übersetzung bei Tatjana Markulin)


San o kukuruzu

Trčim kroz polje kukuruza; kroz predvečerje, dok sunce postaje mjesec. Nebo je nisko i ovalno, stisnuto uz tlo. Svjetlost zrači
iz listova kukuruza, prozirnih i vodenih. Zeleno postaje žuto.

Primjećujem da sam malen, kukuruz je toliko viši od mene. Polje je beskrajno. Odjednom, sudaram se s tragovima prolaska onoga koji
me traži. Zastajem. Za trenutak, ne čujem ništa osim svog disanja. Kada bih prislonio uho uz tlo čuo bih tutanj njegovih koraka.

Stabljike kukuruza ovdje su slomljene u mržnji, zgažene. On trči naslijepo, za njim ostaje hodnik težak od praznine. Brzina kojom se kreće višestruko je veća od moje; tragovi njegova prolaska odaju prirodu demona.

Potrebno mi je sve više zraka. Dok sam to mogao, disao sam kroz nos. Sad dišem
na usta, duboko udahnem i izdahnem svakih deset koraka. Još malo pa će to biti svakih pet koraka, pa dva?

Bitno je kontrolirati ritam disanja. Trčanje mi daje hrabrost. I način na koji se kukuruz uklanja preda mnom daje mi hrabrost. Vratit ću se malo unatrag da zavaram trag. Kada padne noć zavući ću se pod kukuruz da bih prikupio snagu za jutro, za trčanje. Zaključat ću svoj strah u sobu bez prozora. Pustit ću nadu da gori u mraku, da mi osvijetli san.

I on će mirovati noću, ali neće spavati. Bijes će ga držati budnim, otupiti mu čula. Ujutro, oštar zrak će mu zamutiti vid.
I dok svjetlost tamni osjećam krv kako kipi u žilama mog progonitelja kao daleki šapat u poljima kukuruza. Pred očima mi lebdi prijetnja potpunog uništenja koja prati njegov prolazak, nije mi potrebno vidjeti mu lice da bih znao da je nepoznati koji me progoni onaj isti čovjek čija sjena je prošla
kroz zidove u jednoj noći bez zvijezda, u noći u kojoj sam ostao sam.

Trčat ću ujutro kao nikada u životu. Crna kuća je već daleko iza mene, trebala bi biti. Imam sada ono što nikada nisam imao, slobodu izbora. Mogu okrenuti na istok, ili na jug, ili nastaviti na zapad. Sve dok trčim sudbina je u mojim rukama. Samo ne smijem stati.


© Helmut Schulze, 2006